Auf dem „Weg der Sterne“ zum „Ende der Welt“

Von Johannes Spiegel-Schmidt

Unglaubliche Gastfreundschaft am Wegesrand,
der Reiz des Verirrens und zum Abschluss
der magische Zauber des einsamen Kirchleins von Eunate

 

 17.Juni
Monreal – Obanos (30 km zu Fuß, 5 km per Autostop)

Wie in jeder Herberge ergab sich ab halb sechs Uhr morgens im Schlafsaal die übliche Geräuschkulisse: Weckrufe verschiedener Handys, hastiges Zusammenrollen der Schlafsäcke, Verstauen der Wäsche, ein lebhaftes Rascheln, Klappern und Zurren. Erste Worte wurden gewechselt, oft nicht zu leise, denn für viele Spanier ist Ruhestörung ein absolutes Fremdwort. Das Licht von Stirnlampen huschte durch den Raum, bis jemand dreist genug war, die grellen Neonlichter anzuschalten. An Schlafen war dann nicht mehr zu denken, man konnte bestenfalls noch ein Weilchen unruhig Weiterdösen. Spätestens um 8 Uhr musste vom Letzten die Herberge geräumt sein.

Auch Hochleistungssportler sind unterwegsspanischer-jakobsweg

Normal hatte ich mich diesem Rhythmus gefügt, denn es erschien mir durchaus sinnvoll, zum Wandern die kühlen Morgenstunden auszunützen. Doch heute war die Nacht kurz gewesen. Zudem wollte ich mich noch von Lorenzo verabschieden, der ein relativer Langschläfer war. Er war ein rustikaler Typ, der sich vom Mainstream nicht antreiben ließ, sondern zunächst einmal etwas Kräftiges im Magen brauchte, bevor er bereit war, den Rucksack zu schultern. Und da die Bar erst um sieben Uhr aufmachte, wurde es acht Uhr, bevor sich nach mehreren Milchkaffees, Marmeladentoasts und Wurstsemmeln, begleitet von einem lebhaften Geplauder, unsere Wege trennten.

Er kommentierte noch mit verständnislosem Kopfschütteln die Erfahrung mit einem Franzosen, der eine Art Tempometer dabei hatte und vom Ehrgeiz verfolgt war, sechs Kilometer in der Stunde zu schaffen. Der Normalpilger rechnet, je nach Terrain, mit drei bis vier Kilometer. Gestern sei dieser Verrückte auf dem letzten Kilometer vor Monreal total verschwitzt und mit hochrotem Kopf fast im Dauerlauf keuchend an ihm vorbeigezischt, nur um sein Soll zu erfüllen. Pilger gibt´s! Oder sollte man besser von Hochleistungssportlern sprechen? Die Motivationen, den Jakobsweg zu gehen, sind jedenfalls breit gefächert, doch jeder möge nach seiner Facon selig werden!

Baskische Dörfer und von ferne winkt Hemingway02-219-spanischer-jakobsweg

Der Weg verlässt den Ort auf der Hauptstraße bergauf und geht bald in einen engen, von Unkraut und Sträuchern überwachsenen Pfad über, der sich an der Nordflanke des Monte Higa entlang zieht. Zeitweise zieh03-220-spanischer-jakobswegen sich Hohlwege durch schattige Waldstücke und über rauschende Bäche. Am Wegrand traf ich auf ein Kreuz mit Plastikblumen. Ob hier ein Pilger tödlich verunglückt war? Nach gut einer Stunde tauchte das erste Dorf Yarnoz auf. Dann blieben im Halbstundenrhythmus die kleinen baskischen Ortschaften Otano, Esperum und Guerendiaín zur Rechten liegen.

Unterwegs zeugte eine mächtige Burgruine von den glorreichen Zeiten der Reconquista, in der die Mauren nach einem fast acht Jahrhunderte dauernden, verworrenen Ringen aus dem Land gedrängt wurden. Im Norden konnte man in einer Dunstglocke die Umrisse vom Pamplona erkennen, dessen wilde Stiertreiben zu den Fiestas von San Fermin durch Hemingway unsterblich wurden.

Bei Jordi, dem Pilgerkoch

Gegen Mittag erreichte ich über sandige Pisten den größeren Ort Tiebas, der von einem massiven, romanischen Kirchturm beherrscht wurde. Der angenehme Schatten seines Bogenganges lud zu einem kurzen Verweilen ein. Die steinernen Blumenkästen an der Hauptstraße waren mit mittelalterlichen Szenen von Königen und streitlustigen Rittern verziert. In der kleinen Herberge, die auf freiwilligen Spenden beruhte und eine kleine Küche hatte, traf ich auf Jordi, der heute hier bleiben wollte. Er hatte es nicht eilig, lebte 05-222-spanischer-jakobswegja quasi auf dem Weg und spähte nach neuer Kundschaft. Andererseits war er ein Getriebener, der allnächtlich von seinen Alpträumen geschüttelt wurde und sich morgens um fünf Uhr in der Dunkelheit auf den Weg machte. Ich war mir noch nicht schlüssig, ob ich weiterwandern wollte.

Die drückende Hitze lud durchaus dazu ein, der Trägheit nachzugeben. So wusch ich erst einmal meine Wäsche, die schnell zu trocknen versprach, und zog mich auf eine ausgedehnte Siesta zurück. Irgendwann weckte mich Jordi, er hatte ein wunderbares Menü zubereitet: Reis mit Hackfleisch und Tomatensoße, dazu einen frischen Salat. Als wir gerade fertig gegessen hatten, trafen drei total geschaffte Amerikanerinnen ein. Jordi hatte vorgesorgt und in großen Mengen gekocht, sodass für sie auch noch genug übrig war. Sie waren so hingerissen von dieser unverhofften Gastfreundschaft, dass sie es ihm mit einem königlichen Trinkgeld vergalten. Das konnte er sicher gut gebrauchen.

Immer wieder diese unglaubliche Gastfreundschaft

Um 17 Uhr war die schlimmste Hitze vorbei und ich nahm erneut meine Route auf. Die Weltabgeschiedenheit der letzten Tage fand bald ein abruptes Ende, als der Weg parallel zur Autobahn verlief und nach einem unübersichtlichen, gefährlichen Kreisverkehr diese in einer Unterführung passierte. Erst nach vier Kilometer wurde es ab Muruarte wieder etwas ruhiger. Eine kleine Landstraße brachte mich in einer halben Stunde in das Dorf Olcoz. Auf dem Dorfplatz plauschten drei ältere Frauen mit einem Mann und ich erkundigte mich bei ihnen nach einer Bar. Sie verwiesen mich zum Ortsausgang, doch diese einzige Dorfbar war gerade geschlossen. 06-223-spanischer-jakobsweg

Daraufhin lud mich der Herr in sein Haus ein und kredenzte mir ein eisgekühltes Estrella-Bier mit Schinken, Weißbrot und selbst eingelegten Oliven. Einfach köstlich! Als ich ihn fragte, was ich ihm schuldig sei, leh09-227-spanischer-jakobswegnte er entrüstet ab. „Du bist nicht der erste Pilger, dem ich diese Gastfreundschaft erweisen darf. Doch vielleicht könntest du mich in Santiago in deine Gebete einschließen“. Ich wurde zum zehnten Mal gefragt, warum ich so fließend Spanisch reden kann. Und musste zum zehnten Mal erklären, dass ich ein Dutzend Jahre in Spanien gelebt habe, mit einer Madrilenin verheiratet war und meine erwachsene Tochter immer noch in Madrid lebe. Als ich auf die lästigen Mücken zu sprechen kam, winkte er mich zu seinem Vorgarten. Dort schnitt er einen Strauch ab, „hierba buena“, das gute Kraut, das so ähnlich wie Minze roch und mich an köstliche Tees in Marokko erinnerte. Ich steckte ihn in meine Wasserflasche, die ich in meiner Umhängetasche trug, und in den nächsten Tagen hat mich kein Insekt mehr angerührt. Gegen was nicht alles ein Kraut gewachsen ist, wenn man nur weiß welches! Noch wirkungsvoller soll das Gewürzkraut „albajaca“ sein, doch davon fällt mir gerade die deutsche Übersetzung nicht ein.

Nicht nur den Camino zu gehen, sondern ihn zu er-leben

Auf kleinen Pfaden und Sandpisten wanderte ich hinunter ins liebliche Tal des Rio Lobo. Mir wurde zunehmend klarer, dass ich nicht einfach irgendwelche Tagesetappen ableisten wollte, sondern dass ich mich immer mehr öffnete, den Weg zu erleben mit allem, was er mir an Überraschungen zu bieten hatte. Nicht planvolles, bis ins Letzte durchorganisiertes Wollen stand dabei im Vordergrund, vielmehr ein Zulassen mit offenen Horizonten07-224-spanischer-jakobsweg für alles Neue, Unerwartete, Unverhoffte, ein sich Einlassen auf Erfahrungen mit durchaus unsicherem Ausgang. So konnte ich kleine Begebenheiten manchmal als wahre Wunder erleben, die mich mit Demut und Dankbarkeit erfüllten. Meine Sprachkenntnisse, vor allem mein Spanisch, kamen mir dabei sicher zugute.

Auch das Verirren hat seinen Reiz

Zuweilen kann sogar das Verirren durchaus seine Reize haben: Während ich so gedankenverloren vor mich hin trottete, hatte ich offenbar eine scharfe Rechtsabbiegung übersehen und landete auf einer Asphaltstraße, die hinauf zu einem Dorf führte, das auf einer Bergkuppe thronte. Weit und breit war kein Mensch zu sehen und auch kein gelber Pfeil zu erkennen und so beschloss ich, mich in dem Dorf nach dem Weiterweg zu erkundigen.

Auf halbem Wege hielt ein Transporter neben mir an und der Fahrer fragte mich nach meinem Ziel. „Ich möchte nach Eunate“. Er meinte: „Da bist du total falsch. Komm steig ein, ich bring dich dorthin!“ und wendete sogleich seinen Wagen. Manuel war Mitglied in einem navarresischen Männerchor und auf dem Weg zu einer Chorprobe. Er hatte eine bärenstarke Bassstimme und lieferte gleich eine dröhnende Kostprobe seiner Sangeskunst ab. Ich war schwer beeindruckt. Beruflich war er Vertreter für Weine aus Navarra und der Rioja und klärte mich auf: „Die besten Weine werden hier in der Region getrunken. Was ins Ausland geht, ist fast alles irgendwie Verschnitt.“

Im nächsten Ort Enériz bat ich ihn anzuhalten, um die letzten Kilometer bis Eunate zu Fuß zu gehen. Er nestelte aus einem Pappkarton seines Kofferraums eine Probeflasche und füllte zur Hälfte zwei Glä08-225-spanischer-jakobswegschen: „So einen edlen Tropfen kannst du nur hier trinken. Salud!“ Zum Abschied gab er mir seine Visitenkarte: „Wenn du irgendwelche Probleme hast, ruf mich einfach an.“ Ich war sprachlos. Was sind diese Basken bloß für ein gesunder Menschenschlag! Welche Hilfsbereitschaft, welche Großzügigkeit, welches Vertrauen! Und das alles in knapp zehn Minuten.

Por el camino verde – zur Einsiedelei

Nach einer Stunde tauchte urplötzlich inmitten absoluter Einsamkeit das Kirchlein Santa Maria de Eunate auf, ein einzigartiges Juwel romanischer Baukunst aus dem 12. Jahrhundert und ein hochkarätiger Ort der Kraft. Den Zugang bildet heute ein langer Hohlweg, der nach dem bekannten spanischen Volkslied „Por el camino verde“, „Auf dem grünen Weg zur Einsiedelei“ beschildert ist und von autochthonen Sträuchern und Gewürzpflanzen gesäumt wird.

Wegen ihrer achteckigen Form und architektonischen Ähnlichkeiten mit dem Felsendom und der Grabeskirche von Jerusalem wird die Kirche von Eunate gemeinhin dem Templerorden zugeschrieben. Andere verweisen auf eine mögliche Funktion als Grabkapelle einer Fürstin oder Königin. Ausgrabungen bestätigen, dass hier ein Pilgerhospital stand, das eventuell von den Johannitern oder vom Orden des Heiligen Grabes betrieben wurde. Als sicher gilt aufgrund der zahlreichen Funde von Gräbern mit Muschelbeigaben, dass sie neben Roncesvalles und Torres del Rio eine der drei navarresischen Begräbniskirchen am Jakobsweg war. Die heutige kleine Herberge könnte als Sterbehaus für todkranke Pilger gedient haben.

Eunate – Hundert Türen und eine magische 812-230-spanischer-jakobsweg

Der achteckige Grundriss könnte diese Funktion unterstreichen, da die Zahlensymbolik für mittelalterliche Baumeister einen hohen Stellenwert einnahm. Im hebräischen Alphabet hat der achte Buchstabe die Bedeutung von Wasser, Gebärmutter, Ende der Begrenzung, Aufgabe des verflossenen Lebens zur Wiedergeburt. Die Acht ist der Vermittler zwischen dem Quadrat und dem Kreis, zwischen Erde und Himmel, Materie und Gott, ein Symbol für die Seele. So treffen wir das Oktogon ebenso oft bei Taufsteinen an wie bei Grabkapellen.

Ein Rätsel bleibt allerdings, warum der Grundriss in Eunate ein unregelmäßiges Achteck aufweist, das vom offenen Arkadenumgang nachgezeichnet wird.

Der spanische Esoteriker Juan Atienza hat dafür eine mysteriöse Erklärung: Folgt man vom Zentrum der Kirche strahlenförmig den Richtungen der acht Ecken, so stößt man auf acht magische Punkte der Iberischen Halbinsel, die alle im Besitz des Tempelritterordens waren. Er wurde 1312 auf Druck des französischen Königs, der ein gieriges Auge auf seine unermesslichen Reichtümer geworfen hatte, und auf Order des Papstes aufgelöst. 1314 bestieg der letzte Großmeister der Templer in Paris den Scheiterhaufen, nicht ohne vorher alle unter Folter erpressten Anklagen gegen ihn zu widerrufen. …Und König wie Papst zu verdammen, die auf ungewöhnliche Art beide noch im gleichen Jahr das Zeitige segneten.

In Spanien konnten seine Mitglieder in anderen Orden überleben. In Portugal wurde zu seiner Nachfolge der Christusritterorden ins Leben gerufen, der der wesentliche Motor war, die Schifffahrtstechniken zu revolutionieren und den Seeweg nach Indien zu eröffnen. Selbst Kolumbus segelte noch unter dem Zeichen des Tatzenkreuzes. Bis heute rankt sich um den Tempelritterorden ein undurchdringliches Mysterium über die Initiationsrituale, die in seinem Inneren in Umlauf waren und über den Grad höheren Wissens, das in seinen Reihen überliefert wurde. Unzählige gelehrte und nicht wenige spekulative pseudowissenschaftliche Untersuchungen konnten da wenig Klarheit und gesicherte Erkenntnisse schaffen, was schlicht damit zusammenhängen dürfte, dass es seinen Mitgliedern bei Todesstrafe verboten war, seine nur mündlich tradierten Geheimnisse auszuplaudern.

So gilt bis heute: Wer außen vor ist, kann nur spekulieren, wer eingeweiht ist, wird nicht reden. Wir stehen hier vor einem ähnlichen Rätsel wie bei den Druiden: Auch sie nahmen ihr erstaunliches Wissen mit ins Grab oder gaben es an streng klandestine Geheimbünde weiter, die in der einen oder anderen Form durch die Geschichte bis in die Gegenwart schwirren.11-229-spanischer-jakobsweg

 Obwohl wir über Eunate nichts Endgültiges wissen, kann man seinen unwiderstehlichen Zauber spüren. Der Schritt aus der Weite der Landschaft in das Innere wirkt nicht beklemmend. Im Halbdunkel scheinen die Mauern zurückzuweichen, das spärliche Licht lässt die Konturen verschwimmen, öffnet den Raum. Wulstige, breite Rippen vom Scheitel des Gewölbes und der Wölbung der Apsis nach unten erwecken Anklänge an die maurisch-mudejare Baukunst. Der Kirchenraum atmet stark die meditative, in sich gekehrte Religiosität der Spanier: Hier drinnen festigte sich der Glaube, bevor er kraftvoll nach außen trat.

Der Name Eunate leitet sich vermutlich vom Baskischen ab und könnte als Platz der „hundert Türen“ gedeutet werden in Anspielung auf den vieltorigen, achteckigen Arkadengang um das Gebäude.

Bei Jean zahlt jeder, was ihm die Gastfreundschaft wert ist

Als ich die kleine Herberge betrat, schlug mir eine eigenartige Beklemmung entgegen. Am Tisch saßen Steffi, Marc und Chris und fünf weitere Deutsche und Franzosen. Irgendwie fehlte das spanische Temperament. Steffi war bleich und hatte sich unter der brütenden Hitze offenbar einen mittleren Sonnenstich geholt. Unterwegs war ihr öfters schwindlig geworden und der Kreislauf streikte. Auf dem Tisch standen die Reste eines phantastisch duftenden wie anzusehenden Abendessens, das Jean zubereitet hatte, der sich an diesem Kraftort dauerhaft als freiwilliger Herbergsvater niedergelassen hatte: Kaninchen in Weinsoße mit Gemüse und Kartoffeln. Jean fragte schließlich: „Was ist eigentlich los, was willst du hier?“, worauf ich gutgläubig antwortete, dass ich nur übernachten wolle. „Das geht nicht, hier ist alles voll!“ Als auch mein Angebot, auf meiner Isomatte am Boden zu schlafen nicht angenommen wurde, erklärte ich mich schlichtwegs für zu schlapp, um noch weiterzugehen. Immerhin war es inzwischen 20 Uhr und ich hatte heute schon fast 30 km zurückgelegt.

Jeder Pilger wird so begrüßt, als stünde Christus vor der Tür

Ich wäre an diesem magischen Ort sogar liebend gern bereit gewesen, draußen zu übernachten. Aber am Himmel zogen dunkle Wolken auf, die nichts Gutes verhießen. Darauf bot mir Jean großzügig an, mich die zwei Kilometer bis zur nächsten Herberge in Obanos mit seinem Auto zu fahren, was ich dankend annahm. Doch erst einmal durfte ich mir mit den Resten den Bauch vollschlagen, wofür ich mich mit einem angemessenen Obolus bedankte.

Unterwegs fing es auch schon zu regnen an, dafür begann das anfängliche Eis zwischen uns schnell zu schmelzen. Jean, der nicht gerne an seine französische Herkunft erinnert werden wollte, erzählte begeistert von seiner Arbeit als ´Hospitalero voluntario´, als fester Herbergsvater in Eunate, der ausschließlich von freiwilligen Spenden der Pilger lebte: 10-228-spanischer-jakobsweg

“Jeder soll das zahlen, was ihm meine Gastfreundschaft wert ist, die ich ihm von ganzem Herzen anbiete. Wer nichts hat, wird ohne das geringste Aufsehen mitbewirtet. Ich begreife meine Tätigkeit in der Tradition der mittelalterlichen Klöster, in denen jeder Pilger so begrüßt wurde, als stünde Christus leibhaftig vor der Tür.“

Ich hätte nach der kurzen Fahrt gern noch mehr erfahren und lud ihn zu einem Gläschen Wein ein. Doch er lehnte dankend ab: „Ich muss mich um meine Gäste kümmern.“ Das war überzeugend.

In Obanos war der 40 Betten fassende Hauptschlafsaal voll besetzt, aber es gab glücklicherweise eine kleine Nebenkammer, die ich ganz für mich allein bekam, quasi als Einzelzimmer völlig ohne lästige Schnarcher. Was für ein sagenhaftes Glück als krönender Abschluss dieses erlebnisreichen Tages, der mich innerlich tief bereichert in meine Federn sinken ließ!

Redaktion allesanderswo.de
Fortsetzung: 54 Tage unterwegs auf den spanischen Jakobswegen Teil 17 – Ein Reisebericht

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Teil 1 – 54 Tage unterwegs auf den spanischen Jakobswegen – Ein Reisebericht

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Alle Fotos: Copyright ©Johannes Spiegel-Schmidt

 

 

Johannes Spiegel-Schmidt

Johannes Spiegel-Schmidt

Nach einem umfangreichen „Studium generale“ in Theologie, Philosophie und Sozialwissenschaften, Mitbegründer der taz Berlin. Koordinator der taz-Auslandsredaktion und langjähriger Korrespondent in Madrid. Umfassende Vertiefung in die iberische Sozial- und Kulturgeschichte. Während der politischen Umbrüche im Ostblock und der Krisenherde im Nahen Osten Freelancer bei den führenden spanischen Medien. Autor mehrerer Reiselesebücher über verschiedene spanische Regionen. Innerhalb der Studienzeit umfangreiche Reisen durch den Orient bis nach Indien, per Autostop durch die Sahara und Westafrika. Zurück in Deutschland als Studiosus-Reiseleiter unterwegs bis in die letzten Winkel Europas. Heute im Unruhestand. Das „Dritte Alter“ wartet tagtäglich mit neuen Überraschungen. Das wirkliche Leben kann jetzt beginnen…
Johannes Spiegel-Schmidt