Augenblicke. Unsere Fotoserie.

Zu Besuch in Spanien: Auf dem Jakobsweg…

Fotografiert von Johannes Spiegel-Schmidt

Spanischer Jakobsweg - Wegweiser zu einem Ort mit unrühmlicher Vorgeschichte: Töte Juden!, Judentöter oder einfach Judenhügel?Spanischer Jakobsweg – Wegweiser zu einem Ort mit unrühmlicher Vorgeschichte:
Töte Juden!, Judentöter oder einfach Judenhügel?

Spanien: Unterwegs auf dem spanischen Jakobsweg. Bis vor wenigen Jahren fristete das kastilische Dorf Castrillo Matajudíos nahe der Provinzhauptstadt Burgos ein ganz und gar unbehelligtes Dasein. Seit dem Jahr 2015 aber sieht sich der am Jakobsweg gelegene Weiler plötzlich im Blickpunkt in- und ausländischen Interesses. Übersetzt heißt «Matajudíos», der Beiname der Gemeinde, schließlich nichts anderes als «Judentöter» oder gar die imperative Aufforderung: „Töte Juden!“.

Hintergrund dieses denkwürdigen Ortsnamens ist ein verbrieftes Massaker aus dem 11. Jahrhundert – der Hochzeit der stark antiislamisch und antisemitisch aufgeladenen Kreuzzüge der Christen -, dem damals dort 60 Juden zum Opfer gefallen waren. Die überlebenden Juden, die flux zum Christentum zwangskonvertiert wurden, unter der alternativlosen Drohung, sonst umgehend auf dem Scheiterhaufen zu enden, fanden ihre neue Ansiedlung in dem nahen Weiler Castrillo mit dem Beinamen «Motajudíos», also «Judenhügel». Später sei aus dem «Mota» ein «Mata» und aus «Judenhügel» folglich «Judentöter» geworden, berichtet der Bürgermeister entrüstet, der alles in Bewegung setzt, um in unseren glaubenssensiblen Zeiten diesem historischen Makel zu entgehen. Das Wappen der Gemeinde ziert bis heute ein Davidsstern.

2015 wurde dieser Weiler mit circa 59 Einwohnern nach einem Volksentscheid erneut auf seinen ursprünglichen Namen Motajudios, Judenhügel (Castrillo Mota de Judíos) zurück getauft.

Es wäre zu wünschen, dass inzwischen auch alle diskreditierenden Schilder mit dem antisemitischen Pogromnamen „Matajudios“ in der weiteren Umgebung des Ortes ausgetauscht wurden.


Foto: Copyright ©Johannes Spiegel-Schmidt
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. Momente des Sehens. Momente des Nachdenkens.
Motive des Alltags. Es kommt auf den Blickwinkel an, die Perspektive des Betrachtens.

Johannes Spiegel-Schmidt

Johannes Spiegel-Schmidt

Nach einem umfangreichen „Studium generale“ in Theologie, Philosophie und Sozialwissenschaften, Mitbegründer der taz Berlin. Koordinator der taz-Auslandsredaktion und langjähriger Korrespondent in Madrid. Umfassende Vertiefung in die iberische Sozial- und Kulturgeschichte. Während der politischen Umbrüche im Ostblock und der Krisenherde im Nahen Osten Freelancer bei den führenden spanischen Medien. Autor mehrerer Reiselesebücher über verschiedene spanische Regionen. Innerhalb der Studienzeit umfangreiche Reisen durch den Orient bis nach Indien, per Autostop durch die Sahara und Westafrika. Zurück in Deutschland als Studiosus-Reiseleiter unterwegs bis in die letzten Winkel Europas. Heute im Unruhestand. Das „Dritte Alter“ wartet tagtäglich mit neuen Überraschungen. Das wirkliche Leben kann jetzt beginnen…
Johannes Spiegel-Schmidt